Warum Konzentration dem Glueck auf die Spruenge hilft

Wann bin ich glücklich – und was tue ich gerade?

“Track Your Happiness”:
Matthew Killingsworth, Doktorand im Fachbereich Psychologie an der Harvard University, befragt seit 2009 Studienteilnehmer mit einer dafür speziell entwickelten iPhone App in unterschiedlichen Zeitabständen nach ihrer momentanen Stimmung (diese wird auf einer Skala eingeschätzt) und ihrer augenblicklichen Tätigkeit (22 Auswahlmöglichkeiten, wie beispielsweise ins Büro fahren, arbeiten, körperliche Aktivität, essen). Zusätzlich berücksichtigt die App noch Faktoren wie Produktivitätsgrad, Umgebung, Dauer und Qualität des Schlafs und soziale Interaktionen. Die Auswertung der über 500.000 Daten von mehr als 15.000 Teilnehmern aus 83 Ländern zeigt:

 

Tagträumereien verbessern das Glücksempfinden nicht

Durchschnittlich schweifen die Befragten etwa die Hälfte der Zeit gedanklich von ihrer momentanen Tätigkeit ab (ca. 60% der Zeit beim Weg zu Arbeit, rund 50% während der Arbeit, ungefähr 30% im Gespräch mit Mitmenschen). Das Glücksempfinden vermindert sich in dieser Zeit, unabhängig davon, ob sie sich mit unangenehmen oder neutralen Themen beschäftigen. Wie zu erwarten verschlechtert sich die Stimmung beim Denken an unangenehme Themen jedoch mehr als bei der gedanklichen Beschäftigung mit neutralen Themen. Handelt es sich um positive Gedanken, wirkt sich das erstaunlicherweise weder positiv noch negativ auf die Stimmung aus.

 

Gedankenhygiene, Flow und …

Die Untersuchung zeigt, dass Menschen in einem glücklicheren Zustand sind, wenn sie konzentriert sind (vergleiche Flow). So sollte die morgendliche Frage nach dem Aufstehen nicht nur lauten: „Was mache ich heute?“, sondern insbesondere: „Was denke ich heute? – Was denke ich heute nicht?“ und „Wie bleibe ich konzentriert bei meiner Tätigkeit?“

Außerdem wirkt sich die Art der Tätigkeit auf das Glücksempfinden aus. Den stärksten Ausschlag in die positive Stimmung gibt es nach dieser Untersuchung aber nur bei einer Beschäftigung – und die wird mengenmäßig nicht besonders häufig genannt (oder die Probanten wollen sich dabei nicht stören lassen und reagieren auf das Signal der App nicht …). Was das ist? Nicht wirklich überraschend: Sex. Mit Abstand folgen körperliche Aktivitäten, Kommunikation, spielen, Musik hören, spazieren gehen, essen, beten/Andacht/Meditation und Essen zubereiten. Was mich überrascht: beim Ausruhen/Schlafen ist der Gemütszustand der Schlechteste, davor liegt Arbeit und am PC sitzen.

 

Schlussfolgerungen

Matthew Killingsworth schließt unter anderem aus den Ergebnissen, dass das Glücksempfinden mehr von der erlebten Situation abhängt, als dass es sich von Person zu Person unterscheidet. Über das Glücksempfinden bestimmen weniger die äußeren Rahmenbedingungen wie Wohnort, Familienstand, hohes Gehalt oder ein Titel. Vermutlich wirken sich die kleinen, alltäglichen Dinge viel mehr aus; am Arbeitsplatz zum Beispiel der Kontakt mit Kollegen, den Projekten, an denen wir mitwirken, unseren täglichen Leistungen. Das bestätigt auch das Ergebnis anderer Studien und ist daher nicht unbedingt neu. Aber soweit ich weiß, wurden diese Aussagen bisher nicht mit einer so großen Datenmenge belegt.

 

weitere Infos

Der vollständige Artikel wurde im Heft 4/2012, Glücklich im Job, am 18.06.2012 im Harvard Business Manager veröffenlicht

 

You can leave a response, or trackback from your own site.

One Response to “Warum Konzentration dem Glueck auf die Spruenge hilft”

Leave a Reply

*

GetSocial